Am 12. November 1989 war das Dorf Krzyzowa (Kreisau) in Niederschlesien Schauplatz eines historischen Ereignisses - der deutsch-polnischen Versöhnungsmesse unter Teilnahme des polnischen Premierministers Tadeusz Mazowiecki und des Bundeskanzlers Helmut Kohl. Diese Begegnung hatte entscheidenden Einfluss auf den Prozess der Annäherung zweier europäischer Völker. Seitdem steht Kreisau als Symbol für einen Ort der Verständigung und des Dialogs. Während in der deutschen Öffentlichkeit die Geste des Friedenszeichens in Kreisau weitgehend im Schatten der Nachrichten und Bilder des Mauerfalls stand, war und ist das Bild der beiden Regierungschefs, die sich vor der Kulisse des ehemaligen Gutshofes der Familie von Moltke in Kreisau umarmen, in der polnischen Öffentlichkeit nach wie vor sehr präsent. Es steht nicht nur für eine neue Phase der deutsch-polnischen Beziehungen nach der Überwindung des Kommunismus, sondern auch für die Rückkehr Polens nach Europa, für den Beginn der Integration Polens in die Europäische Union und die bedeutende Rolle Deutschlands in diesem Prozess. Wir halten es für sehr wichtig, 20 Jahre später an diesen Moment zu erinnern und ins Bewußtsein zu rufen, welche Leistungen die europäische Integration für die Länder Mittel- und Osteuropas bereits erbracht hat und wie wichtig es ist, diesen Prozess fortzusetzen.
